Mittelmeerkrankheiten beim Hund: Was Ihr unbedingt darüber wissen solltet.

Mittelmeerkrankheiten beim Hund: Arten, Ansteckung, Test und Behandlung

Wenn Ihr einen Hund habt, der aus dem Ausland kommt, oder schon mal über eine Reise in südliche Länder mit Hund nachgedacht habt, wurdet Ihr bestimmt bereits mit dem Begriff konfrontiert: Mittelmeerkrankheiten beim Hund. Da jedoch häufig Unklarheit darüber herrscht, was damit eigentlich genau gemeint ist, widme ich mich heute diesem Thema.

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Allerdings werde ich das Thema hier zunächst übersichtsweise behandeln, da der Begriff Mittelmeerkrankheit verschiedenste Infektionen umfasst, die jedoch in ihrer Ausprägung und Behandlung sehr unterschiedlich sind. Daher lassen sich, wie Ihr sehen werdet, viele Fragen gar nicht eindeutig und stellvertretend für alle Erkrankungen beantworten – denn es gibt schlicht und einfach nicht DIE Mittelmehrkrankheit. Aber lasst uns darauf gleich etwas näher eingehen, nachdem wir den Begriff definiert haben…

Was sind Mittelmeerkrankheiten beim Hund?

Als Mittelmeerkrankheiten bezeichnet man umgangssprachlich alle Erkrankungen, die typischerweise im Mittelmeerraum auftreten. Durch Auslandsaufenthalte des Hundes kommen diese auch in Deutschland vor, weshalb sie auch Reisekrankheiten des Hundes genannt werden.

Jedoch kommen einige dieser ehemals auf diesen geografischen Bereich begrenzte Erkrankungen mittlerweile auch regelmäßig in Deutschland vor. Hauptsächlich handelt es sich bei den Mittelmeererkrankungen um Infektionen, die durch Mücken oder Zecken übertragen werden (daher kommen sie auch so gehäuft in warmen Klimagebieten vor).

Doch welche Erkrankungen zählen jetzt zu diesem Überbegriff?

Welche Mittelmeerkrankheiten gibt es beim Hund?

Zu den typischen Mittelmeerkrankheiten beim Hund zählen:

  • Leishmaniose (Infektion mit Leishmanien)
  • Ehrlichiose (Infektion unter anderem mit Ehrlichia chaffeensis oder Anaplasma phagocytophilum)
  • Hepatozoonose
  • Herzwurmerkrankung
  • Anaplasmose (Infektion mit Anaplasmen)
  • Borreliose (Borrelien-Infektion, meist durch Zeckenbiss)
  • Dirofilariose (Befall mit Dirofilarien, fadenförmige Würmer, die durch Stechmücken übertragen werden)

Und auch wenn diese Erkrankungen grundsätzlich überall auftreten können, gibt es bestimmte Regionen, die hierfür prädestiniert sind.

Mittelmeerkrankheiten: Welche Länder sind typischerweise betroffen?

Zu den Ländern des Mittelmeerraumes, die besonders gute klimatische Bedingungen für die typischen Erreger der Mittelmeerkrankheiten liefern, gehören unter anderem:

  • Rumänien
  • Bulgarien
  • Griechenland
  • Italien
  • die Kanarischen Inseln
  • Portugal
  • Spanien
  • Ungarn und
  • die Balearen

Es gibt jedoch noch viele weitere, vor allem subtropische und tropische, Regionen, in denen Mittelmeererkrankungen vorkommen. Einige sind mittlerweile sogar in Mitteleuropa beheimatet, etwa ein Erreger der Ehrlichiose, Anaplasma phagocytophilum, ist ebenfalls zwischen Norwegen und der Mittelmeer-Küste heimisch.

Wenn Ihr Euch gerne einen Überblick über die Verbreitung in Europa verschaffen möchtet, schaut Euch mal diese Karte der Verbreitung von CVBD-Erkrankungen an.

Übrigens: Die Abkürzung CVBD kommt von dem Englischen Canine Vector-Borne Diseases, auf Deutsch: Parasiten-übertragene Erkrankungen des Hundes.

Mittelmeerkrankheiten: ein großes Thema im Auslandstierschutz?

Wer einen Hund über den Auslandstierschutz adoptiert hat, wurde bereits mit dem Thema Mittelmeerkrankheiten konfrontiert, und sei es bloß aufgrund des Tests auf Mittelmeerkrankheiten („Mittelmeertest“), den jeder Hund aus dem Ausland macht, bevor er nach Deutschland kommt – was übrigens eine sehr gute Sache ist!

Ich habe glücklicherweise mit meinen eigenen Hunden noch keine Erfahrungen damit gemacht, obwohl diese beide aus Rumänien kommen.

Oft ist es auch so, dass Hunde, die im Mittelmeerraum aufgewachsen sind, einen guten Immunschutz gegen die dort heimischen Erreger haben und keine Symptome zeigen – auch wenn sie diese jahrelang in sich tragen.

Untersuchung auf Mittelmeerkrankheiten

Bei dem Test auf Mittelmeerkrankheiten handelt es sich in der Regel um einen sogenannten Titer-Test. Das heißt, dass im Labor (oder mithilfe eines Schnelltests) untersucht wird, ob der Hund Antikörper gegen die jeweiligen Erreger im Blut hat. Ist dieser Test positiv, bedeutet dies im Umkehrschluss, dass sich das Immunsystem des Hundes schon einmal dem Erreger auseinandergesetzt hat. Warum das jedoch nicht immer heißt, dass Eure Hunde bei einem positiven Test auf Mittelmeerkrankheiten auch gleich krank sind, erkläre ich euch weiter unten.

Ab wann sollte man den Hund auf Mittelmeerkrankheiten testen?

Wichtig zu wissen ist, dass ein Antikörper-Titer-Test nur eine Momentaufnahme darstellt: Welche Antikörper hat das Immunsystem des Hundes zum jetzigen Zeitpunkt gebildet?

Daraus ergibt sich, dass dieser Test unmöglich immer zuverlässig sein kann. Und das aus gleich mehreren Gründen:

  • Die Inkubationszeit der Erkrankung ist noch nicht abgeschlossen: Eine Infektion liegt vor, aber die Antikörper-Konzentration im Blut des Hundes ist noch zu niedrig, um im Test gemessen werden zu können –> die Antikörper sind noch nicht nachweisbar!
  • Welpen haben oft einen erhöhten Titer, da sie über die Plazenta der Mutter Antikörper aufgenommen haben – auch wenn sie selbst gar nicht erkrankt sind. → der Test ist falsch positiv!
  • Das Immunsystem des Hundes wurde durch Stress (etwa durch die Ausreise, das neue Zuhause usw.) „manipuliert“ → positive wie negative Auswirkungen auf das Immunsystem und den Test sind möglich!

Aber was nun? Sind Tests auf Mittelmeerkrankheiten deswegen unsinnig?

Keinesfalls! Es ist absolut sinnvoll, diesen Test durchzuführen, um eventuelle Erkrankungen frühestmöglich erkennen und behandeln zu können. Jedoch darf man sich nicht immer zu 100 Prozent auf das Ergebnis verlassen und daraus endgültige Schlüsse ziehen.

Was heißt das konkret?

Tipps zum Mittelmeertest

Wenn Ihr einen Hund aus dem Ausland adoptiert habt oder nach einer Auslandsreise prophylaktisch testen lassen wollt, macht es Sinn, damit etwas zu warten. Nach 3 bis 6 Monaten ist die Inkubationszeit der meisten Infektionen abgeschlossen und der Test ist um einiges aussagekräftiger. Bei Zweifeln zieht bitte Euren Tierarzt zurate.

Wenn Euer Hund positiv auf eine Mittelmeerkrankheit getestet wurde, verfallt bitte nicht in Panik! Es kann sich um ein falsch positives Ergebnis handeln. Euer Tierarzt wird entscheiden, ob eine Behandlung sinnvoll ist. Auf jeden Fall macht es Sinn, den Test nach einiger Zeit zu wiederholen. Und wenn Euer Hund ein korrektes positives Mittelmeertest-Ergebnis hat, heißt das dennoch nicht, dass er Symptome zeigen muss: Es gibt Hunde, die niemals Krankheitsanzeichen zeigen, obwohl sie positiv getestet wurden.

Wenn Ihr einen Welpen habt, macht es erst Sinn, diesen auf Mittelmeerkrankheiten testen zu lassen, wenn dieser etwa 12 Monate alt ist.

Mittelmeerkrankheiten beim Hund: Welche Anzeichen und Folgen gibt es?

Wie Ihr gesehen habt, gibt es verschiedenste Erreger von Mittelmeerkrankheiten. Das heißt auch, dass es je nach Erkrankung zu ganz unterschiedlichen Symptomen und Anzeichen kommt.

Häufig stellen Tierbesitzer ein beeinträchtigtes Allgemeinbefinden bei ihrem Hund fest. Hinzu kommen je nach Infektionsart weitere Krankheitsanzeichen wie

  • Fieber,
  • Magen-Darm-Probleme,
  • Abgeschlagenheit
  • und viele mehr.

Übrigens kann es im Rahmen der Erkrankungen auch zu sogenannten Co-Infektionen kommen. Das sind weitere Krankheiten, für die der Hund anfällig wird, da sein Immunsystem durch eine primäre (erstere) Erkrankung bereits geschwächt und anfällig ist.

Mittelmeerkrankheiten: Sind sie ansteckend für Menschen?

Ob eine Ansteckungsgefahr vom Hund auf den Mensch oder vom Hund auf einen anderen Hund möglich ist, hängt ebenfalls von der Art der Infektion bzw. vom Erreger ab. Schauen wir uns einige typische Beispiele genauer an:

Bei der Leishmaniose etwa ist prinzipiell eine Ansteckung vom Hund auf den Menschen oder von Hund zu Hund bzw. zu anderen Haustieren sehr unwahrscheinlich. Bisher wurde ein solcher Fall noch nie nachgewiesen.

Was die Ansteckung mit Babesien betrifft, so wird diese beim Mensch als ungefährlich eingestuft. Und was die Hund-zu-Hund-Infektion betrifft: Babesien werden direkt über den Wirt Zecke übertragen. Hier ist also auch eine Ansteckung nur über einen Zeckenbiss und nicht zwischen zwei Individuen denkbar.

Eine Übertragung der Ehrlichiose von Hund zu Mensch ist grundsätzlich denkbar, jedoch wurde diese bisher ebenfalls noch nicht nachgewiesen. Eine Hund-zu-Hund-Übertragung dieser Mittelmeererkrankung ist allerdings bereits vorgekommen – und zwar durch einen direkten Blutkontakt zwischen den Hunden.

Dirofilarien werden durch Stechmücken übertragen. Hier kommen verschiedene Arten infrage, zum Beispiel Culex, Anopheles und Aedes. Diese übertragen die Erreger während ihres Blutmahles. Auch hier ist von einer Übertragung zwischen Hund und Hund oder Hund und Mensch nicht denkbar.

Mittelmeerkrankheiten beim Hund: Welche Behandlung kommt infrage?

Auch hier gilt: Die Behandlung richtet sich danach, welche Erkrankung genau vorliegt.

Bei einer Herzwurm-Infektion etwa wird ein Advocat verabreicht, das die Larven behandelt, und gleichzeitig ein Spot-on, das die ausgewachsenen Herzwürmer unfruchtbar macht, damit sie sich nicht weiter vermehren. In seltenen, extremen Fällen kann die chirurgische Entfernung nötig sein.

Die Leishmaniose wird häufig lebenslang behandelt, um Organschäden zu verhindern. Hier hat sich in der Tiermedizin eine Langzeittherapie mit dem Wirkstoff Allopurinol bewährt. Dieses hemmt die Entwicklung der Erreger.

Welche Behandlung in welchem Fall sinnvoll ist, entscheidet Euer Tierarzt.

Ist eine Prophylaxe gegen Mittelmeerkrankheiten möglich?

Prophylaxe vor Mittelmeerkrankheiten zu betreiben, ist möglich und sinnvoll, wenn Ihr mit Eurem Hund im Mittelmeerraum Urlaub macht. Dafür eignen sich:

  • mücken- und zeckenabwehrende Halsbänder
  • mücken- und zeckenabwehrende Spot-Ons sowie
  • Präparate, die Steckmücken abwehren oder abtöten

Einige Erreger werden durch die passende Prophylaxe bereits abgetötet, bevor sie weiteren Schaden anrichten und sich vermehren. So können Mikrofilarien bereits im Frühstadium durch Spot-on-Wirkstoffe abgetötet werden. Auch die Zecken-Prophylaxe spielt eine große Rolle wenn es darum geht, Mittelmeerkrankheiten zu verhindern.

Für die Prophylaxe vor Herzwürmern gibt es spezielle hierfür zugelassene Präparate. Wer also mit seinem Hund in den Mittelmeerraum reisen möchte, sollte vorher einen Termin beim Tierarzt vereinbaren um gemeinsam abzuklären, welche Präparate zur Prophylaxe eingesetzt werden sollten.

Gibt es Impfung gegen Mittelmeerkrankheiten?

Kann man Hunde gegen Mittelmeerkrankheiten impfen? Jein.

Es gibt seit 2013 einen Impfstoff, der gegen Leishmaniose wirken soll. Doch auch dieser bietet keinen 100-prozentigen Schutz, weshalb er meist mit weiteren Vorbeugemaßnahmen kombiniert wird, wenn ein hohes Ansteckungsrisiko für Mittelmeerkrankheiten besteht.

Das Wichtigste in Kürze

Alles gemerkt? Fassen wir das Wichtigste zum Thema Mittelmeerkrankheiten noch einmal kurz zusammen:

  • Die meisten Mittelmeerkrankheiten sind heilbar oder zumindest so behandelbar, dass der Hund diese überlebt und eine gute Lebensqualität hat.
  • Früherkennung ist wichtig, um die Infektion schnellstmöglich zu stoppen.
  • Tierschutzhunde und Hunde, die sich in gefährdeten Gebieten aufgehalten haben: zum Ausreisezeitpunkt sind einige Erreger nicht nachweisbar, weshalb ein Test nach 3 bis 6 Monaten erfolgen sollte.
  • Ob die Mittelmeerkrankheit übertragbar ist, hängt vom Erreger ab. In vielen Fällen ist eine direkte Übertragung zwischen Hund und Hund oder Hund und Mensch jedoch unwahrscheinlich bis unmöglich.
  • Prophylaxe ist möglich und sinnvoll: am besten vorher einen Tierarzt aufsuchen – evtl. einen Spezialisten für reisemedizinische Beratung.

Habt Ihr noch Fragen zu Mittelmeerkrankheiten? Dann hinterlasst mir gerne einen Kommentar! Auch Eure Erfahrungen oder Meinungen zum Thema sind hier willkommen!

Viele Grüße und bleibt gesund.

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