Ist mein Hund dement oder einfach nur alt?

Demenz bei Hunden

Euer Hund steht immer öfter orientierungslos in der Gegend herum, hat keine Lust mehr zu spielen oder ist sogar inkontinent geworden? Das können allgemeine Alterserscheinungen sein. Doch auch die Frage „Ist mein Hund dement?“ ist in einer solchen Situation gerechtfertigt.
Lasst uns das Thema Demenz bei Hunden heute einmal genauer beleuchten. Dabei stellen wir fest, wie sich Demenz oder Alzheimer bei Eurem Hund bemerkbar macht, welche Ursachen dafür verantwortlich sind und wie der Verlauf der Krankheit aussieht. Am Ende gebe ich Euch Tipps, wie Ihr mit einem dementen Hund umgehen solltet, um den Alltag für Euch beide einfacher zu gestalten – und nicht zuletzt die Lebensqualität des Vierbeiners zu sichern.

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Demenz bei Hunden – ein aktuelles Thema?

Tatsächlich ist Demenz beim Hund ein Thema, das viele Hundehalter beschäftigt.

Besonders oft tritt die Erkrankung bei Hunde-Senioren auf, die älter als 7 Jahre sind. Ungefähr 20 Prozent der Hunde über 9 Jahre leiden unter Alzheimer oder einer anderen Demenz-Form. Von den Hunden, die über 15 Jahre alt sind, geht man sogar von ganzen 70 Prozent aus. [1]

Vor diesem Hintergrund wird bereits eine Tatsache klar: Das hohe Aufkommen an dementen Hunden steht im Zusammenhang damit, dass unsere Tiere immer älter werden.

Was ist Demenz? Und wie entsteht sie bei Eurem Hund?

Die Kognitive Dysfunktion (CDS), die in der Humanmedizin eine große Rolle spielt, tritt auch bei unseren Haustieren auf – etwa bei Katzen oder eben beim Hund („Hunde-Alzheimer“)
Das kognitive Dysfunktionssyndrom ist eine Form der Demenz – und obendrein die schwerwiegendste. Sie ist der menschlichen Alzheimer-Krankheit sehr ähnlich. Doch was passiert dabei?
Zunächst kommt es dazu, dass sich Plaques im Gehirn ablagern. Daraufhin finden Abbauprozesse statt, die dafür sorgen, dass die Nervenzellen im Hirn kontinuierlich absterben.
Besonders betroffen sind von diesen Prozessen die außen liegenden Gehirnschichten: Hier sitzen die Nervenzellen, die bedeutend sind für

  • das Lernen
  • die Orientierung
  • das Bewusstsein und
  • das Gedächtnis.

Allgemein beschreibt die Demenz beim Hund also einen Zustand, der mit Beeinträchtigungen der emotionalen, sozialen und auch kognitiven Fähigkeit verbunden ist.

Welche Ursachen hat die Demenzerkrankung beim Hund?

In den meisten Fällen ist die Demenz bei Hunden altersbedingt.
Es ist aber auch möglich, dass eine genetische Disposition, also eine Veranlagung, vorliegt. Damit ist auch eine Verbindung mit speziellen Rassen möglich – hier fehlen noch wissenschaftliche Studien, um Genaueres sagen zu können.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten jedoch bereits, dass die Demenz beim Hund häufiger bei weiblichen und kastrierten Hunden vorkommt als bei männlichen oder unkastrierten Hunden. [2]

Hin und wieder wird Hunde-Alzheimer auch mit den folgenden Erkrankungen und Behandlungen in Verbindung gebracht:

  • Epilepsie
  • Hirnschäden
  • Tumore im Gehirn
  • mit dem geriatrische Vestibularsyndrom und
  • Narkosen

Aber auch hier bleibt abzuwarten, ob diese Zusammenhänge mit wissenschaftlichen Forschungsarbeiten bestätigt werden können.

Symptome: Wie macht sich Demenz beim Hund bemerkbar?

Die spannende Frage für alle, die sich unsicher sind, ob ihr Hund an Demenz leidet, ist: Wie macht sich Hunde-Alzheimer bemerkbar?
Die Symptome bei allen Demenzformen können unterschiedlich ausfallen und auch in ihrer Intensität variieren. Häufige Anzeichen für Hunde-Demenz sind:

  • Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus
  • verminderte Lernfähigkeit
  • Desorientierung (Hunde wandern ziellos umher, starren ins Leere, erkennen bekannte Menschen nicht, warten an falschen Türen usw.)
  • Veränderungen im Wesen und Verhalten
  • veränderte Interaktionen mit anderen Tieren und Menschen (reizbar, Stimmungsschwankungen, weniger Freude beim Begrüßen usw.)
  • Stubenunreinheit/Inkontinenz (kein Signalisieren des Harndrangs) und
  • veränderte Aktivität

Achtung: Wenn sich solche Anzeichen bemerkbar machen, können diese auch einfach altersbedingt sein! Wie Ihr altersbedingte Beschwerden von einer Demenz unterscheidet, erfahrt Ihr gleich.

Diagnose: Wie wird Demenz beim Hund diagnostiziert?

Die Diagnose der Demenz bei Hunden ist schwer. Vor allem muss sie abgegrenzt werden von gewöhnlichen Alterserscheinungen. Diese treten beispielsweise auf, weil die Sinne mit dem Alter schwächer werden. Verhaltensänderungen können auch auf Schmerzen zurückzuführen sein, etwa durch eine altersbedingte Arthrose beim Hund. Hier gilt: Andere Erkrankungen sollten zunächst ausgeschlossen werden.

Wenn Ihr übrigens wissen wollt, ob Euer Hund Schmerzen hat, lest auch den Artikel über Leitsymptome von Schmerzen bei Hunden.

Eine echte senile Demenz erkennt der Tierarzt in der Regel anhand ihres Verlaufs. Eine schrittweise Diagnose erfolgt, indem Ihr Euren Hund regelmäßig beim Tierarzt vorstellt. Hilfreich ist es, eine Dokumentation der Veränderungen durchzuführen. So erkennt Euer Tierarzt, ob der zeitliche Verlauf der Beschwerden zum Bild der Demenz passt.

Der Schwerpunkt liegt bei der Diagnose von Hunde-Alzheimer auf der Desorientiertheit und auf der kontinuierlichen, schnell ablaufenden Verschlechterung der Symptome.

Wie ist der Verlauf der Demenz beim Hund?

Der Verlauf der Demenz-Krankheit ist wie beim Mensch schleichend. Die Abbauprozesse im Gehirn schreiten kontinuierlich fort. Die Verschlechterung der Beschwerden erfolgt schrittweise. Im Endstadium ist der Hund ein echter Pflegefall.
Eine Heilung von Hunde-Alzheimer ist nicht möglich – die neurologischen Veränderungen sind in den allermeisten Fällen irreversibel.

Die Ziele der Demenz-Therapie beim Hund sind daher:

  • Ausfallprozesse und den Verlauf verlangsamen und
  • die Symptome und Beschwerden lindern.

Damit dies gelingt, ist es wichtig, dass der Therapie-Beginn so früh wie möglich stattfindet.

Behandlung: Welche Medikamente gibt es für demente Hunde?

Die Behandlung von Demenz beim Hund erfolgt im besten Fall in Zusammenarbeit mit Tierarzt, Tierheilpraktiker oder Tier-Ernährungsberater:

1. Verhaltenstherapeutische Ansätze

Eine leichte Stimulation der Nervenzellen kann dafür sorgen, dass diese langsamer absterben. Das kann beispielsweise so aussehen, dass Ihr Eurem Hund neue, leicht Kommandos beibringt oder ihm neues Intelligenzspielzeug besorgt.

2. Diätetische Ansätze

Auch die Ernährung des Hundes spielt eine Rolle bei Demenz.
Spezialfuttermittel kann dazu beitragen, die kognitiven Fähigkeiten Eures Hundes zu fördern.
Auch Futter für Senioren-Hunde und Futterergänzungen können dabei helfen, das Gehirn des Hundes mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen und das Gedächtnis zu verbessern. Ein Produkt dieser Kategorie ist beispielsweise Senilife®*.
Die meisten solcher Produkte für senile Hunde enthalten viele Antioxidantien. Diese sind in der Lage, freie Radikale abzufangen.

Freie Radikale sind aggressive Sauerstoffmoleküle, welche die Zellen schädigen und möglicherweise degenerative Prozesse – etwa im Gehirn – fördern.

Bewährte Stoffe in der Demenz-Therapie sollen auch die folgenden sein:

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Ginkgo für Hunde mit Demenz
  • Coenzym Q10
  • Ginkgo biloba
  • Phosphatidylserin und
  • L-Acetyl-Carnitin

3. Pharmakologische Ansätze

Es gibt Psychopharmaka, die sich positiv auf das Verhalten und Empfinden Eures Hundes auswirken können. Infrage kommen eventuell auch Beruhigungsmittel bei starker Unruhe oder Panik. Nutzen und Risiken solltet Ihr mit

Eurem Tierarzt besprechen.

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Hin und wieder setzen Tierärzte auch Präparate ein, welche die Durchblutung und die Leistung des Gehirns unterstützen.
Ein bekannter Wirkstoff ist Monoaminooxidase, ein sogenannter (MAO)-Hemmer, wie er in dem Markenpräparat Selgian [Werbung] vorkommt.

Tipps: Was kannst Du als Hundehalter tun?

Zwei Dinge sind wichtig, wenn Euer Hund an Demenz erkrankt: Geduld und Verständnis. Die Situation ist für keinen von Euch leicht – aber Stress und Druck hilft hier nicht weiter.
Was Ihr hingegen tun solltet: ein sicheres Umfeld schaffen, auf das Euer Hund sich verlassen kann. Das gelingt Euch beispielsweise, indem Ihr feste Routinen einführt – Fütterungen und Spaziergänge immer zur gleichen Zeit, jeden Abend ausgiebig auf dem Sofa kuscheln usw.

Vermeidet, dass Euer dementer Hund lange alleine ist. Daraus können sich gefährliche Situationen ergeben. Senile Hunde verletzen sich leicht, etwa weil sie gegen Wände laufen oder über Dinge stolpern. Zudem leiden sie häufig unter Verlustängsten und Kontrollverlust. Daraus können Panikattacken entstehen. Wenn Euer dementer Hund also sehr anhänglich oder tollpatschig geworden ist, sucht Euch eine zuverlässige Person, die ein Auge auf ihn hat, wenn Ihr mal nicht zuhause sein könnt.

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Gegen die Inkontinenz helfen Windeln und mehrere kurze Spaziergänge auf den Tag verteilt.
Legt Eure Spaziergänge gerne auch mal auf ungewohnte Wege um – die neuen Eindrücke werden Eurem Hund guttun. Außerdem verbessert die frische Luft die Sauerstoffzufuhr des Gehirns.
Wenn Ihr Angst habt, dass Euer orientierungsloser Hund beim Gassigehen verlorengeht und den Weg nachhause nicht mehr findet, gibt es auch dafür eine Lösung: Damit es gar nicht erst zu einem solchen Schreckensszenario kommt, registriert Ihr den Chip Eures Tieres auf einem bekannten Haustierregister, sofern Ihr dies nicht schon getan habt. Ein GPS Tracker, beispielsweise ins Hundegeschirr eingebaut, ist im Ernstfall ebenfalls hilfreich.

Kann man Hunde-Alzheimer vorbeugen?

Ob Ihr Hundealzheimer vorbeugen könnt, ist wissenschaftlich noch nicht vollkommen geklärt.
Allgemein solltet Ihr dafür sorgen, dass Euer Hund fit und gesund bleibt.
Lastet Eure älteren Hunde körperlich und auch geistig aus, achtet auf eine
artgerechte Hundeernährung und geht aufmerksam mit ihnen um – so erkennt Ihr erste Anzeichen dafür, dass es ihnen nicht gut geht, und könnt frühzeitig wichtige Schritte einleiten.

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Habt Ihr selbst schon Erfahrungen mit einem dementen Hund gemacht? Oder seid Ihr Halter von älteren Hunden und fragt Euch auch hin und wieder, ob deren Verhalt normal und altersbedingt ist? Teil gerne Eure Erfahrungen in den Kommentaren.

Zum Weiterlesen

https://www.bellos-gesundheit.de/demenz-beim-hund.html
https://www.bellos-gesundheit.de/
https://senior-hunde.de/cds-demenz-bei-alten-hunden/
https://www.tierheilpraktiker.de/mein-tierheilpraktiker/alle-ausgaben/1-2016/523-demenz-beim-hund-was-wir-tun-koennen.html

[1] https://www.findefix.com/news/wo-bin-ich-auch-hunde-koennen-an-alzheimer-erkranken/?gclid=EAIaIQobChMIt5fGk6Kk3gIVjOR3Ch3joQxREAAYASAAEgIk6_D_BwE)
[2] https://www.bellos-gesundheit.de/demenz-beim-hund.html

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2 Kommentare zu „Ist mein Hund dement oder einfach nur alt?

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  1. Mit Medikamenten zur besseren Durchblutung/Gehirnaktivität habe ich bei meinem alten, nicht dementen Dackel gute Erfahrungen gemacht. Teilweise Desorientierung ergab sich durch Verschlechterung des Seh- und Hörvermögens, der Geruchssinn hat kaum gelitten. Wichtig: Anregung bis zum Schluss (mit fast 15 Jahren): bis zum letzten Tag kleine Fährtensuche im Garten.

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