Hormone unserer Haustiere: Noradrenalin

Noradrenalin: Wie beeinflusst es unsere Haustiere?

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Hormone haben einen ungeahnten Einfluss auf unsere Haustiere. So kann beispielsweise Adrenalin sich erheblich auf das Verhalten von Katze oder Hund auswirken. Aggressionen, Ängste, aber auch Bindung oder Eifersucht können durch das Zusammenspiel der Hormone im tierischen Organismus hervorgerufen oder verstärkt – aber auch gehemmt – werden. Ein Hormon, über das eher selten gesprochen wird, ist Noradrenalin. Das wollen wir heute ändern.

Wie wichtig ist eigentlich Noradrenalin (Norepinephrin) für den tierischen Organismus?

Noradrenalin ist genau wie Adrenalin den meisten ein Begriff. Doch was genau bewirkt Noradrenalin eigentlich im Körper und für welche Funktionen ist es besonders wichtig? Ohne Noradrenalin, auch Norepinephrin genannt, würde im tierischen Organismus einiges schief laufen. Es handelt sich hierbei nämlich um einen Neurotransmitter, der sich unter anderem auf die Funktionen von Herz und Gefäßen auswirkt.

Aggressiver Hund an der Leine: Ist das Noradrenalin schuld?

Noradrenalin ist, ebenso wie Adrenalin, ein Neurotransmitter. Es gehört zur Gruppe der Katecholamine, welche in den Nebennierenmark, im zentralen Nervensystem sowie in den Nervenzellen hergestellt werden. Grundlage für die Synthetisierung dieses Hormons ist ein anderes Hormon: Dopamin. Dieses ist sozusagen die Vorstufe des Noradrenalins. Letzteres kann nach Bedarf weiter zu Adrenalin umgewandelt werden. Bekannt ist Noradrenalin im Allgemeinen als Stresshormon oder auch als Fluchthormon. Das liegt daran, dass es tatsächlich insbesondere dann ausgeschüttet wird, wenn es zu einer akuten Stressreaktion kommt. Nicht umsonst nennt man es auch „Kampfhormon“. (Nor-)Adrenalin senkt die Reizschwelle. Es führt dazu, dass die Reizweiterleitung im Hirn vermindert wird. Gleichzeitig sinkt die Reizschwelle bei einem wiederholten Verhalten.
Die Folge: Eine mögliche aggressive Reaktion tritt noch früher ein. Ein gutes Beispiel hierfür ist der aggressive Hund an der Leine. Schon kleine Veränderungen können dazu führen, dass die Reaktionsbereitschaft extrem steigt.

Welche Funktion erfüllt Noradrenalin?

Noradrenalin ist ein wichtiger Mitspieler in der Reaktionskette des Zentralen Nervensystems. Es steuert die Kontraktion der Blutgefäße und nimmt somit Einfluss auf den Herzschlag, die Steigerung des Blutdruckes und die Senkung des Pulses. Doch das ist noch längst nicht alles, was Noradrenalin beeinflusst. Das Stresshormon bewirkt zudem, dass Aufmerksamkeit, Konzentration und Wachheit aufrecht erhalten werden. Sogar auf die Entzündungsneigung wirkt Noradrenalin sich aus.

Gesteigerter Appetit des Hundes oder der Katze kann ebenso ein Zeichen von einer erhöhten Noradrenalin-Ausschüttung sein wie eine ausgeprägte Motivation, beispielsweise beim Jagen.

Wann wird beim Tier Noradrenalin (Norepinephrin) ausgeschüttet?

Besonders viel Noradrenalin wird immer dann ausgeschüttet, wenn das Tier sich in einer akuten Stresssituation befindet. In der Folge kommt es zu erhöhtem Blutdruck, einer erhöhten Herzschlagfrequenz und einer vermehrten Durchblutung der Muskulatur. Auch die Aufmerksamkeit steigt. Der Hintergrund für diese Reaktion des Körpers liegt in der Evolutionsgeschichte. Die gesteigerte Leistungsfähigkeit des Körpers und des Geistes verhilft in einer Gefahrensituation zu einer schnellen Flucht – das ist übrigens bei uns Menschen ganz genauso. Je nach Situation kann diese schnelle und zuverlässige Körperreaktion Mensch wie Tier das Leben retten.

Was passiert bei einem Mangel bzw. Überschuss an Noradrenalin?

Da Noradrenalin sich so vielfältig auf den Körper auswirkt, macht sich ein Mangel oder ein Überschuss meist sehr schnell bemerkbar. Wenn nicht genug Noradrenalin ausgeschüttet wird, kommt es häufig zu Störungen der Konzentration. Die Motivation und Leistungsfähigkeit leiden ebenfalls unter einem Abfall des Noradrenalin-Spiegels. Man merkt das, wenn das Tier sich kaum auf ein Spiel oder das Erlernen eines neuen Tricks konzentrieren kann.
Ist der Noradrenalin-Spiegel im Blut dauerhaft stark erhöht, kann ein Tumor der Niere dahinter stecken. Auch Dauerstress (beispielsweise durch einen Umzug oder eine ungeklärte Rangordnung) führt zu einer konstant erhöhten Ausschüttung des Hormons. Wird dieser Stresszustand über einen langen Zeitraum aufrecht erhalten, beispielsweise durch ein besonders stressiges oder nervöses Umfeld des Haustieres, produziert die Niere irgendwann zu wenig Noradrenalin. Es kommt dann zu einem Mangel.

Wie wird es in der Medizin eingesetzt?

Präparate mit Noradrenalin werden in der veterinärmedizinischen Notfallmedizin eingesetzt. Sie erhöhen den Blutdruck und die Herzfrequenz bei Tieren, die beispielsweise infolge eines Unfalls unter einem Schock leiden. So kann der Kreislauf schnell wieder normalisiert werden.

Wie können Haustierhalter dieses Wissen nutzen?

Wer den (Nor-)Adrenalinspiegel seines Hundes oder seiner Katze im gesunden Gleichgewicht halten will, sollte auf Stresssignale achten und rechtzeitig darauf reagieren. Konstante Stressauslöser gilt es zu vermeiden. Versucht, euch selbst für Anzeichen von Stress bei eurem Hund oder eurer Katze zu sensibilisieren. Achtet auf die Mimik und Gestik – so lernt ihr schnell, kleinste Veränderungen wahrzunehmen. Bei Verhaltensveränderungen wie pötzlicher Aggressivität oder Teilnahmslosigkeit gilt wie immer: Ab zum Tierarzt.

Außerdem empfehlenswert:
Stress und Neurophysiologie bei Hunden
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2 Kommentare zu „Hormone unserer Haustiere: Noradrenalin

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