Cortison: Fluch oder Segen?

Cortison (auch Kortison) wird in der Medizin und Tiermedizin aufgrund seiner entzündungshemmenden Wirkung gerne angewendet. Tierärzte greifen häufig darauf zurück, wenn eine akute oder chronische Entzündung vorliegt.

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Darüber hinaus kann Cortison auch bei

  • Überreaktionen des Immunsystems
  • Schwellungen
  • Rheuma
  • Allergien
  • (entzündlichen) Hauterkrankungen
  • Entzündungen von Gelenken (Arthritis) oder Organen und
  • Virusinfektionen

zum Einsatz kommen.

Häufig wird Cortison für Hunde, Katzen oder Nager auch verschrieben, wenn die genaue Ursache für ein bestimmtes Symptom (noch) nicht gefunden wurde oder wenn Medikamente nicht wirken.

Cortison ist das wichtigste Stresshormon

Cortison ist ein Hormon, das große Auswirkungen auf den gesamten Organismus hat. Der Zuckerstoffwechsel, das Immunsystem und der Wasserhaushalt werden von Cortison beeinflusst.

Der Botenstoff wird vom Körper selbst produziert – insbesondere am Morgen und in Stresssituationen. Es kann in den Stoffwechsel eingreifen, den Blutzucker erhöhen, Proteine aus Muskelzellen abbauen, Fette umverteilen und Entzündungszellen an ihrer Vermehrung und Entwicklung hindern. Cortison verhindert auch, dass Leukozyten (weiße Blutkörperchen) Stoffe freisetzen, die Entzündungen fördern.

Überwacht wird die Produktion von der Hirnanhangsdrüse. Diese ist in der Lage, die Ausschüttung zu erhöhen oder zu reduzieren.

Situationen, in denen besonders hohe Mengen an Cortison ausgesetzt werden, sind:

  • starker Stress
  • Krankheiten und Verletzungen oder
  • psychische Belastungen.

In solchen Stress-Situationen braucht der Körper häufig mehr Cortison als er selbst (in den Nieren) produzieren kann.Es gibt auch Erkrankungen, bei denen zu viel oder zu wenig Cortison produziert wird. Bekannte Beispiele dafür sind die Addison-Krankheit (primäre Nebennierenrinden-Insuffizienz) und das Cushing-Syndrom (Cortison-Überproduktion), die erblich bedingt sind.Am Cushing-Syndrom erkranken übrigens besonders häufig ältere Pferde und Ponys – hier sprechen Tierärzte vom sogenannten Equinen Cushing Syndrom (ECS/PPID). Dieses stellt die häufigste Hormonstörung bei dieser Tierart.

Cortison kann Fluch und Segen sein

Cortison wirkt schnell. Bei unspezifischen akuten Symptomen, aber auch bei chronischen Erkrankungen, die auf andere Medikamente nicht ansprechen, können Cortisonpräparate Gold wert sein.

Dabei ist jedoch zu beachten, dass es bei einer Anwendung über längere Zeiträume hinweg oft zu Nebenwirkungen bei den tierischen Patienten kommt. Dazu gehören neben Gewichtszunahmen auch brüchige Knochen und Muskelschmerzen.

Warum Katzen Cortison deutlich besser vertragen

Katzen weisen natürlicherweise einen höheren Cortisonspiegel auf als andere Tierarten. Das führt dazu, dass sie auch seltener unter den Nebenwirkungen von Cortison-Präparaten leiden.
Eines ist allerdings bei Katzen und Cortison zu beachten: Diese Tiere sind dämmerungsaktiv. Das heißt, dass sie den typischen Cortison-Schub nicht am Morgen haben, sondern erst am Nachmittag. Wer hier also unterstützend eingreifen will, muss dies entsprechend dem Biorhythmus der Katzen tun!

Kommt es bei Katzen doch einmal zu Nebenwirkungen durch Cortison, handelt es sich meistens um

  • Veränderungen des Fells oder der der Haut oder
  • Fett- und Wassereinlagerungen.

Nebenwirkungen bei Hunden sind meist rasseabhängig

Hunde leiden generell häufiger unter den Nebenwirkungen durch Cortison. Innerhalb der unterschiedlichen Hunderassen sind oft Unterschiede im Aufkommen von Nebenwirkungen zu beobachten. Bei Hunden kommt es am häufigsten zu

  • Veränderungen im Zucker- und Wasserhaushalt
  • erhöhtem Fress- und Trinkdrang und einer damit verbundenen
  • erhöhten Ausscheidungsmenge

Vorsicht bei Cortison und Diabetes Hunden

Hunde, die an Diabetes leiden, sind mit besonderer Vorsicht zu behandeln. Hier herrscht ohnehin ein anfälliger Glukosespiegel im Blut. Wird dieser durch eine Cortisongabe weiterhin beeinflusst, muss das streng überwacht werden. Auch können diese Hunde anfälliger für Infektionen sein.

Vorsichtsmaßnahmen

Um das Risiko für Nebenwirkungen durch Cortison bei Tieren zu verringern, sollte anfangs eine möglichst niedrige Dosierungen gewählt werden. Ist eine fortdauernde Cortison-Therapie bei Hund, Katze, Kaninchen oder einem anderen Haustier nötig, muss die anschließende Entwöhnung langsam erfolgen.
Bei der Therapie mit Cortison gilt das Gleiche wie bei anderen Tiererkrankungen: Der Tierarzt wird immer darauf hingewiesen, wenn das Tier bereits unter anderen Erkrankungen leidet – hier ist insbesondere Diabetes zu nennen.
Leidet ein Tier unter viralen Augenerkrankungen, ist Cortison ungeeignet. Es kann die Erkrankung nicht nur verschlimmern, sonder auch die Heilung verletzter Hornhaut verhindern. Hier sollten mit dem Tierarzt individuell andere Therapiemaßnahmen vereinbart werden.

Kurkuma als Alternative zu Cortison?

Viele Tierhalter wünschen sich nebenwirkungsarme, natürliche Heilmittel als Alternative zu konservativen Tierarzneimitteln. Einige Forschungen beschäftigen sich mit der Wirkung von Curcumin aus dem Gewürz Kurkuma. Dieses hat nachweislich hohe entzündungshemmende Eigenschaften. Es liegen bereits Studien vor, in denen verschiedene entzündliche Erkrankungen mit diesem Wirkstoff positiv beeinflusst werden konnten. Jedoch liegen noch nicht ausreichend viele Ergebnisse darüber vor, wie die genaue Bioverfügbarkeit von Curkumin ist. Daher gilt noch abzuwarten, ob Kurkuma tatsächlich entzündungshemmende Stoffe wie das Cortison ersetzen kann.

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FAZIT

Ob Cortison für Euer Haustier eher Fluch oder Segen ist, hängt also von verschiedenen Faktoren ab. In einigen Fällen ist die Cortison-Gabe die beste Option. Besprecht das mit dem Tierarzt Eures Vertrauens und fragt dabei ruhig auch nach Alternativen. Ist eine Therapie mit Cortison unumgänglich, beachtet die Vorsichtsmaßnahmen und lasst Vorsicht bei der Dosierung walten.

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Und falls Dich das Thema Cortison weiterhin interessiert …

weiterführende Links:

Kurkuma statt Cortison
Juckeiz bei Hunden: Wann ist er normal?
Wissenswertes zur Dermatologie / Allergien bei Heimtieren
Cortison bei Katzen
Equines Cushing bei Pferden 
Studie: Induction of Glucocorticoid-induced Leucine Zipper (GILZ) Contributes to Anti-inflammatory Effects of the Natural Product Curcumin in Macrophages.

11 Kommentare zu „Cortison: Fluch oder Segen?

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  1. Da ist ein interessanter Bericht . Unser Cocker hat seit einigen Wochen Augenprobleme und unsere Haustuerärztin hat EI N Medikament mit Cortison verschrieben . Leider hat sich im Nachhinein durch den Spezialisten für Tieraugenheilkunde herausgestellt das es völlig kontraproduktiv gewesen ist . Ich Frage mich immer noch warum unsere Tierärztin dieses Medikament gegeben hat .

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    1. Ich kenne natürlich die Ausgangslage nicht, aber generell ist es ja so, dass auch Tierärzte nur Menschen sind und nicht auszuschließen ist, dass auch einmal eine kontraptroduktive Therapie erfolgt – so sehr man sich als Tierhalter auch w+nscht, sich zu 100 Prozent auf das verlassen zu können, was der Tierarzt empfiehlt. Umso wichtiger ist es vielleicht, zumindest ein wenig Bescheid zu wissen, zu verstehen, wovon der TA spricht und die Dinge einordnen zu können, natürlich ohne davon auszugehen, alles gleich besser zu wissen. Da heißt es wohl: vertrauten, etwas informiert, aber stets offen sein und das Beste hoffen, oder..?

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      1. Ja grundsätzlich hast du recht. Unser Haustierarzt ist ja quasi auch nur ein Allgemeinmediziner für Tiere, der defintiv nicht alles wissen kann. Dafür gibt es dann ja auch bei Tieren Spezialisten.Aber unsere Tierärztin hat direkt gesagt dass sie wüsste was unser Hund mit dem Auge hat weil sie gerade erst eine Schulung/Seminar zu GENAU diesem Krankheitsbild hatte. Wenn das dann ungefragt extra betont wird, dann verlässt man sich natürlich auch darauf.

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  2. Bin erst jetzt auf den Beitrag gestoßen. Mein Dackel hatte auch eine Augenkrankheit, die zeitweise mit Kortison behandelt werden musste. Die Therapie war in diesem Fall eine Gratwanderung zwischen Wirkung und Nebenwirkung, aber wir konnten das Auge erhalten und die Erblindung hinauszögern. Später, als der Hund alt und krank war – u.a. das Dackelproblem Wirbelsäule – war das Kortison ein Segen. Mein Tierarzt und ich waren uns einig, dass in dieser Situation die Lebensqualität wichtiger war als die Gefahr von Langzeit-Nebenwirkungen. Ob Fluch oder Segen – das hängt von der Krankheit und der Lebenssituation ab.

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  3. Vielen Dank für diesen informativen Beitrag, als bei meiner Uschi 2009 generalisierter Mastezelltumor festgestellt wurde, gab man ihr noch wenige Wochen. Ich entschied mich gegen eine Cortisontherapie, sondern setzte auf Curcuma -da dies die Histaminauschüttung dämpft, und Mastzellen nunmal genau dafür zuständig sind, Mastezlltumore sind ja reaktiv und verändern ihre Größe, z.B bei der Gabe von Fisch (Histamine) oder mechanischer Reizung reagierten sie mit z.T. Verdoppeltem Umfang, mit Curkuma liessen sie sich binnen weniger Tage wieder Schrumpfen. Letztlich starb Uschi 9 Jahre mit fast 13 nach der Prognose, noch wenige Wochen zu haben, an Nierenversagen (zwei Jahre nach einer Doxykur wegen Anaplasmose, die die Nieren zerstört hatte) , von den 10 anfänglichen Tumoren, verschwanden einige, 3 musste ich rausoperieren lassen, weil sie störten, oder aufgeplatzt waren.

    Leider wird Cortison meines Erachtens oft zu leichtfertig verabreicht, die Hündin eines Bekannten zeigte für mich deutliche Anzeichen für Leishmaniose, ich riet ihm, erst einen Mittelmeertest zu machen und sich nicht Cortison aufschwatzen zu lassen, weil es den Titer „versaut“ (Hund zeigte Fellveränderung, Gelenkentzündungen und massives Krallenwachstum) Sie bekam von Juli – Februar immer wieder Langzeitcortison und wurde nach kurzer Verbesserung immer schlechter…Am Ende stand nur noch Blutkrebs und eben Leishmaniose auf der Liste der Verdächtigen, es war Leishmaniose, der Hund starb im Juni dann an Nierenversagen, die Behandlung mit Allopurinol war zu spät und auch nicht die richtige, aber eben „günstiger“ als Milteforan… auf die Problematik mit den Nieren und Allopurinol war auch nicht hingewiesen worden, und meine Mahnungen diesbezüglich liefen ins Leere…. bis es zu spät war.

    Doch da liegt es ja auch an den Kunden, die billig und schnell „Ergebnisse“ sehen wollen… ich habe das dem Bekannten nie verziehen, und mir auch nicht so wirklich…“Baby“ wurde nur 7 Jahre alt…

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